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30 Jul

Konzertreihe trost:reich

Keine leichte Aufgabe

Als gewaltiges romantisches Oratorium kennt man das Brahms-Requiem in großer Besetzung: ein voller Bläserapparat mit u. a. vier Hörnern, drei Posaunen und einem Chor der gern einmal 60 Leute oder mehr zählt. Da stutzt manch einer bei der Idee gerade einmal 20 Sängerinnen und Sänger zu besetzen, von denen dann auch noch drei die Soli übernehmen. Auch wenn die Fassung für zwei Klaviere und Pauke gewählt wurde – wir mussten also nicht gegen ein Symphonieorchester ankämpfen – war von Anfang an klar, dass es kein leichtes Unterfangen wird. Jede Einzelstimme ist permanent gefordert, durchgehende Konzentration ein Muss. Im Gegensatz zur großen Besetzung, in der sich Einzelne mal etwas zurücknehmen, mal ein Abschweifen erlauben können, ist in dieser kammermusikalischen Form der ständige Fokus gefragt.

Besonders deutlich wurde dies beim ersten Konzert in Augsburg, bei dem nur vier Bassisten verfügbar waren. Da im Brahms-Requiem zwei davon die Soli übernahmen, bestand die Stimme somit zeitweise nur aus zwei Sängern. Gerade in solchen Situationen, in solchen Ausnahmefällen, lernt man am meisten. Wie viel muss ich geben, um eine Balance zu halten, ohne dass meine Stimme heraussticht? Wie viel kann ich geben, um das ganze Konzert (und das Konzert am nächsten Tag) solide durchzusingen?

Neben diesem großen Oratorium, das mit seiner romantischen Harmonik für routinierte Musiker recht schnell verständlich ist, gab es davor noch weniger gewohnte zeitgenössische Musik. Die skandinavischen Komponisten Nystedt, Jennefelt und Råberg beanspruchen genaustes Hinhören und Feinarbeit. Dafür wird man belohnt mit neuen, ungewöhnlichen Klängen, welche die Zuhörer und auch uns selbst verzaubern. In der LMU Aula gelang uns dann vor großem Publikum ein wunderbares Erlebnis, mit vielen innigen, erhebenden und trostreichen Momenten.

Was ein Vokalensemble voller junger Menschen ausmacht, ist die Freude an der Erarbeitung von neuartigen Werken, die Lust Wagnisse auszuprobieren und ganz besonders die Energie, die zusammenkommt, wenn alle an einem Strang ziehen. Auch wenn die Mitglieder außerhalb solistisch auftreten, ist jedes Zusammenkommen wieder eine besondere musikalische gemeinschaftliche Erfahrung.

Konzerttermine:

29.04.2016, Universität Augsburg

30.04.2016, LMU München

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